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Kleiner Trauer Knigge

Wir trauernden Eltern und Geschwister sind über jedes liebe Wort, jede Anteilnahme und noch so kleine Hilfe dankbar und es bedeutet uns viel. Trauernde sind nicht in der Lage um Hilfe zu bitten oder den Hörer in die Hand zu nehmen. Das Angebot, meldet euch wenn ihr was braucht, quasi der Klassiker, ist gut gemeint - aber unsererseits nicht leistbar. Wir sind auf das Zugehen durch euch angewiesen. 

Eigentlich bedarf es gar nicht viel

DASEIN

ZUHÖREN

AUSHALTEN

Seid für uns da, ungefragt. Nehmt euch Zeit und hört uns zu, auch wenn wir uns wiederholen und ihr unsere Fragen nicht beantworten könnt. Hört nur zu – wir haben ein großes Redebedürfnis. Akzeptiert uns so wie wir sind, keine Trauer ist vergleichbar und es gibt kein richtig und falsch. Habt den Mut und kommt auf uns zu und lasst uns nicht alleine. Habt nicht den Anspruch uns zu trösten, das könnt ihr nicht, denn wir sind untröstlich! Alle Gefühle haben ihre Berechtigung und brauchen ihren Raum. Haltet uns und die Situation mit uns aus. Wir wissen, dass es keine Worte gibt, für das was passiert ist - nehmt uns doch einfach in den Arm. 

Besonders in der akuten Zeit brauchen wir jegliche Unterstützung und jemanden an unserer Seite. Ein Angebot uns in den ersten Nächten und Tagen nicht alleine zu lassen und bei uns zu übernachten ist sehr hilfreich. 

Man weiß, dass das Umfeld einen elementaren Einfluss auf den Trauerprozess der Hinterbliebenen hat. 

Vergesst uns auch nach der Beerdigung nicht, wir brauchen euch noch eine ganze Weile. 

Wie ihr uns in der akuten Zeit helfen und unterstützen könnt – natürlich mit bedacht, nicht aufdringlich und immer nur soweit es der Trauernde auch zulässt: 

 

  • Leistet uns Gesellschaft, auch wenn es nur ein kurzer Besuch ist 

  • Ein warmes Essen vorbeibringen oder vor die Tür stellen 

  • Hilfe im Haushalt 

  • Sich um jüngere Geschwister kümmern und abnehmen, egal welches Alter 

  • Fahrten übernehmen, dass wir nicht selber fahren müssen 

  • Zu Terminen begleiten 

  • Erledigungen und Einkäufe übernehmen (einfach das Nötigste besorgen, denn ein Einkaufzettel zu schreiben überfordert uns) 

  • Meldet euch, auch wenn wir euren Anruf nicht immer entgegen nehmen können 

  • Bleibt im regelmäßigen und zeitnahen Kontakt mit uns 

 

Wenn die Offenheit des Trauernden besteht, kann ein Erstkontakt zu einer Trauerbegleiterin hergestellt werden. Es gibt Anlaufstellen für verwaiste Eltern und Geschwister, gerade nach einem Suizid. Hier kann es hilfreich sein, Infobroschüren für sich selbst, aber auch für die Hinterbliebenen zu besorgen und gegebenenfalls einen Erstkontakt herzustellen. 

Für euch alltägliche und einfache Dinge überfordern uns, wir sind mit uns selbst überfordert, zudem müssen wir uns in den ersten Tagen um so viel kümmern. 

Fragt immer wieder was wir brauchen oder was ihr für uns tun könnt, auch wenn wir nicht immer eine Antwort haben.

Bleibt geduldig mit uns, auch wenn wir Angebote immer wieder ausschlagen, wir können nicht anders. Was in der einen Stunde machbar ist oder angedacht war, kann in der nächsten schon ganz anders sein. Der Schock und die Trauer sind so übermächtig.

Trauer ist so individuell, wo der eine viel Ruhe braucht und sich zurückzieht, stürzt sich ein anderer in die Arbeit und in den Sport.

Trauer ist auch dahingehend individuell, dass Frauen anders trauern als Männer und Kinder und Jugendliche wiederum anders als Erwachsene. 

Versucht bitte zu spüren, was wir brauchen, denn wir wissen es selbst nicht immer.

Akzeptiert uns bitte ohne Wertung. Wir sind nicht in der Lage zu planen oder Entscheidungen zu treffen. 

Wenn Worte fehlen, können auch Gesten helfen. 

Mitleid mögen wir gar nicht.

Bitte keine Ratschläge. 

Konkrete Angebote machen:

  • Darf ich für dich einkaufen? 

  • Ich nehme dir heute Mittag die Kinder ab, ist das ok für dich? 

  • Ich kann dich doch fahren 

  • Wenn du magst begleite ich dich 

  • Ich melde mich alle 2 Tage bei dir, wenn es ok ist gehst du ran, wenn nicht ist das ok, ich melde mich wieder 

  • Magst du mir erzählen was dich gerade am meisten beschäftigt? 

  • Möchtest du etwas spazieren gehen? 

  • Es tut mir so leid und ich weiß gar nicht was ich sagen soll. Möchtest du darüber reden? 

Alles was von Herzen kommt berührt uns. Jedes Wort, jedes an unser Liebstes und an uns denken, jede persönliche Anteilnahme. Seine Anteilnahme kann man in unterschiedlichster Weise ausdrücken. 

  • Eine anteilnehmende Karte/Brief 

  • Ein kleines Trauerpäckchen 

  • Ein kleines Carepaket 

  • Ein Buch mit ein paar lieben Gedanken 

  • Eine personalisierte Kerze 

  • Ein Blumengruß 

  • Ein Trauertagebuch 

  • Ein Zeitgeschenk – gemeinsame Zeit 

  • Ein Foto unseres Liebsten, welches wir noch nicht kennen 

…um nur ein paar Anregungen zu nennen. Hört einfach auf euer Herz und lasst es sprechen und denkt nicht zu groß. 

Unabhängig der vergangen Trauerzeit ist alles genannte auch weiterhin immer eine Hilfe. 

Vergesst bitte nicht den Geburtstag und den Todestag unserer Verstorbenen – meldet euch bitte an besonderen Tagen. 

Jedes – an uns denken – zugleich dem Verstorbenen bedeuten uns so viel.

Jedes nicht melden und unseren Verstorben vergessen lassen, verletzt uns zutiefst. 

Es gibt doch so viele verschieden Möglichkeiten, wenn es einem wichtig ist.

Wir, die trauernden Eltern und Geschwister, sind die ersten Jahre in einem Ausnahmezustand, auch wenn wir den alltäglichen Dingen irgendwann wieder nachgehen müssen und nach außen hin funktionieren, könnt ihr euch nicht vorstellen, was jeder einzelne Tag von uns abverlangt und wie es in uns aussieht. Die einzige Pause-Taste in unserem real gewordenen und nicht endenden Albtraum sind die kurzen Momente in denen wir etwas schlafen. 

Für euch sieht es so aus, und so möchtet ihr es auch schnell wieder, dass alles wieder „gut“ ist. Lasst euch sagen, dass dem nicht so ist und „gut“ sowieso nie mehr was sein wird! Wir müssen nur schnell lernen „im Stillen“ zu trauern, uns anzupassen und überlegen uns sehr gut, wem wir was sagen, um uns selbst zu schützen, da die Erwartungshaltung unsers Gegenübers eine andere ist. Nur ganz wenige, unsere engsten Vertrauten wissen, wie es uns wirklich geht. Denn leider haben in unserer Gesellschaft Krankheit und Trauer keinen Platz. 

Verwaiste Eltern und Geschwister müssen nicht nur unbeschreibliche Schmerzen tragen und aushalten. Bei Trauernden nach einem Suizid ist es so, dass sich leider der Großteil des bisherigen nahen Umfelds von den Trauernden abwendet, sich einfach nicht mehr meldet und zurückzieht. Nur ca. 1/3 bleibt nach diesem schweren Verlust, man sagt dazu Sekundärverluste. Diese Sekundärverluste erstrecken sich noch in vielen weiteren Bereichen. Aber auch wir wenden uns ab, wenn das Unverständnis und die Verletzungen zu groß sind. Neue Freundschaften entstehen oft unter Trauernden, die das gleich Schicksal teilen. Erwähnen möchte ich hier, dass wir uns nicht gegenseitig runterziehen, wie es so manch einer denkt und laut ausspricht, ganz im Gegenteil. Wir spüren eine tiefe Verbundenheit und Verständnis, wir müssen uns nicht erklären. Gemeinsam können wir unsere Gefühle und Gedanken teilen und trauern. 

Trauern ist ein Zeichen von Liebe und das Heimweh unseres Herzens. Bei Trauer und Krankheit zeigt sich wahre Familie und Freundschaft. 

Ein hilfreicher Text ist in diesem Zusammenhang auch der "Appell der verwaisten Eltern" von Erika Bodner.

DANKE an all die lieben Menschen die da waren und geblieben sind! 

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